PANTEÓN ROCOCÓ

19.07.2017
Veranstalter: Target Concerts GmbH
Veranstaltungsort: Freiheizhalle
Adresse: Rainer-Werner-Fassbinderplatz 1
80636 München

Rockmusik war nicht erwu¨nscht in den fru¨hen 90ern in Mexiko. Es gab wenige La¨den, die Konzerte organisierten und die, die sich das trauten, riskierten meistens mehr als einfach nur ein paar kaputte Bierflaschen. Gewalt war damals bei Konzerten an der Tagesordnung.

„Es gab viele Auseinandersetzungen im Publikum und auf dem Weg zum Konzert wurden La¨den geplu¨ndert, Autos zerkratzt und Fenster eingeschmissen.“, erinnert sich Dario Espinosa, der Mitte der 90er mit ein paar Freunden PANTEO´N ROCOCO´ gru¨ndete. Es war nicht die erste Band, die in diesen Zeiten in Erscheinung trat und mit großer Wahrscheinlichkeit wu¨rde auch diese nach der Namensfindung in der Versenkung verschwinden. Aber dieses Mal schien es anders. Die Energie, die sich freisetze, wenn die Freunde musizierten, kannten sie so nicht, sie schien einzigartig.

Die Gru¨ndung der Band erfolgte inmitten einer sozialen und politisch schwierigen Zeit. Zu diesem Zeitpunkt fu¨hrte die Regierung in Chiapas Krieg gegen die EZLN (Eje´rcito Zapatista de Liberacio´n Nacional), die fu¨r die Sta¨rkung der Rechte der indigenen Bevo¨lkerung eintrat und sich dabei auch das Recht zusprach gewaltsam zu ka¨mpfen. In Mexiko Stadt, weit entfernt von den gewaltsamen Auseinandersetzungen, wurden unter anderem von der Szenerie in der die Bandmitglieder zu Hause waren Konzerte, Demonstrationen sowie Infoabende organisiert und es wurde Geld gesammelt, um die Zapatisten zu unterstu¨tzen. Die Ungerechtigkeiten, die die Mitglieder von PANTEO´N ROCOCO´ sahen, verarbeiteten sie in ihren Songs und schafften somit eine wirksame Mo¨glichkeit, um die Probleme zu artikulieren und auf diese aufmerksam zu machen.

Schnell begriffen sie, dass sie allerdings nur Auftritte bekommen wu¨rden, wenn sie ihr schon damals stetig wachsendes Publikum gegen die Gewaltausschreitungen vor, wa¨hrend und nach den Konzerten sensibilisieren ko¨nnten. „Aus dem Grund hat Luis, unser Sa¨nger, sich vor den Shows immer an das Publikum gewandt und die „Eje´rcito De Paz“ (Friedensarmee) ausgerufen. Eine Armee die anstatt zu schießen, tanzt, springt, singt und friedlich ist.“, erza¨hlt Dario. Die Friedensarmee sollte so einen Gegenpol zu den Armeen, die to¨ten, um vermeintlich Frieden zu schaffen. Somit wurde aus einem Konzert gewaltloser Protest gegen sinnlose Gewalt und ein friedlicher Weg die Energie auf die Probleme zu fokussieren, die zuhauf in Mexiko zum Alltag geho¨ren. Die Idee ging auf und schon fru¨h war ein PANTEO´N ROCOCO´ Konzert eines der wenigen, das komplett gewaltfrei verliefen. Die Friedensarmee begann zu wirken.

Fu¨nf Jahre spa¨ter kam eine Einladung ins Haus, die fu¨r die auf neun Mitgliedern herangewachsene Band einen Wendepunkt in der bis dahin positiv verlaufenden Bandgeschichte darstellte. Der erste Auslandsaufenthalt stand ins Haus. Obwohl es wegen der u¨berschaubaren Distanzen auf der Hand lag ins benachbarte Ausland zu fahren, um Konzerte zu spielen, kam die Einladung vom FUSION Festival. Diese Reise im Jahre 2000 war nicht nur die erste ins Ausland, sondern auch die erste richtige Tournee die die Band gespielt hat.

15 Jahre nach der Bandgru¨ndung und 10 Jahre nach ihrem ersten Deutschlandtrip sind PANTEO´N ROCOCO´ eine Band, die sowohl in ihrem Heimatland als auch in Zentral- und Su¨damerika, in den USA und in Europa intensiv tourt und jede Gelegenheit live zu spielen, wahrnimmt.

Ihre Reisen scha¨rfen die Sichtweise auf die Problematiken Mexikos. Luis, der Sa¨nger, sagt dazu: „Die Realita¨t unseres Landes ist in voller Ha¨rte durch unsere Konzertreisen zu spu¨ren. Wir ko¨nnen uns vor Ort mit den Leuten unterhalten und die erza¨hlen uns was gerade in Vera Cruz, Tijuana, Chiapas oder anderen Regionen abgeht. Eine traurige Realita¨t, da in Mexiko seit la¨ngerer Zeit ein sehr blutiger Krieg zwischen der Regierung und der Drogenmafia stattfindet.“ Es ist ein Krieg, in dem es viele unschuldige zivile Opfer gibt.

Diese Realita¨t wird von PANTEO´N ROCCO´ in Songs wie zB. DEMOCRACIA FECAL (Scheiß Demokratie) verarbeitet. In dem sie den mexikanischen Pra¨sidenten Felipe Caldero´n Hinojosa stark fu¨r seine Politik kritisieren. Sie nennen es seine Interpretation von Demokratie, die Demokratie FECAL.

Dass die Politiker keine gern gesehene Berufsgruppe in Mexiko sind, wird immer wieder in den Songs von PANTEO´N ROCOCO´ verarbeitet. Ein Song namens CERDOZ (Schweine) und aber auch ABAJO Y A LA IZQUIERDA (Unten und Links) spricht mehr Leuten aus der Seele als einfach nur neun Musikern. „Die Songs handeln davon, dass du entta¨uscht bist, von den Leuten, die in Mexiko Politik machen. Dass man immer wieder sehen muss, dass die Politiker sich untereinander in die Haare kriegen, wegen Nichtigkeiten und Dummheit. Um gleichzeitig Wichtiges und Existenzielles komplett außer Acht zu lassen. In Mexiko City gibt es unter den Jugendlichen, den jungen Menschen so was wie eine gemeinsame Losung, dass alle ABAJO Y A LA IZQUIERDA (Unten und Links) sind. Und so dem Politiker sagen, dass er sie mal am Arsch lecken kann. Dass seine Politik falsch ist, dass wir einen echten Wechsel beno¨tigen, und dass sie seine Art zu regieren leid sind.“, fasst Leonel, Gitarrist, die Stimmung und den Inhalt des Songs zusammen.

Aber PANTEO´N ROCOCO´ haben, frei nach dem Motto „Es ist nicht meine Revolution, wenn ich nicht dazu tanzen kann!“, schon immer auch Songs fernab von Politik geschrieben. Ein Lied wie „ARREGLA ME EL ALMA“ (Reparier mir die Seele) besingt die Sehnsucht nach Liebe mit einer Leidenschaft, dass man das Leid fo¨rmlich spu¨ren kann.

Und wenn bei SI YA LO SE der großen Party und dem Besa¨ufnis gehuldigt wird, sind auch diese Worte mit einer unverkennbaren Authentizita¨t behaftet.
Ihr unermu¨dliches Touren und die Glaubwu¨rdigkeit ihrer Musik machen sie nicht nur in Mexiko und Lateinamerika zum Sprachrohr einer ganzen Generation. Auch in den USA und Europa geho¨ren sie zur musikalischen Linken, denn ihre Botschaft ist global zu verstehen. In diesem Jahr feiern Panteo´n Rococo´ „15 an~os eje´rcito de paz“! Den Startschuss dazu gaben sie in Mexiko City wo sie gemeinsam mit 11.000 Fans darauf anstießen. Weiter ging es nach Europa, 20 Konzerte in 20 Tagen standen auf der Agenda, um mit den hiesigen Fans und Freunden zu feiern. Gekro¨nt wurde die Jubila¨umstour mit einer Einladung zu einem Konzert anla¨sslich des 100. Geburtstages des FC ST. PAULI im Hamburger Millerntorstadion! Was einem Ritterschlag fu¨r die Band gleich kam, sind sie doch schon seit Jahren bekennende Fans des Vereins! Mit ihrem nun 5. Album „Eje´rcito De Paz“ runden sie das Jubila¨umsjahr ab und fassen zusammen, was in 15 Jahren Bandgeschichte nach wie vor bewegt. Ungerechtigkeit und Gewalt beherrschen nach wie vor die Politik und den Alltag in Mexiko als auch weltweit und somit sollen diese 15 Jahre erst der Anfang sein. Die Eje´rcito De Paz, die Friedensarmee wa¨chst weiter und tanzt, hu¨pft, singt fu¨r den friedlichen Protest!

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